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Information durch das Präsidium

 

Im Interview: WBV-Präsident Klaus-Rüdiger Biemer

Gepostet von Marc Grospitz am 15.06.2011 um 13:13
Information durch das Präsidium >>

"Turbulente erste Amtsperiode hat viel Kraft und Zeit gekostet"

Am Samstag steht der WBV-Verbandstag in Duisburg auf dem Programm und wirft seine Schatten voraus. Eine günstige Gelegenheit gemeinsam mit Präsident Klaus-Rüdiger Biemer einen Blick zurück auf die vergangenen zwei Jahre zu werfen und zudem einen kleinen Ausblick in die Zukunft zu wagen.

Herr Biemer, fallen wir doch gleich mal mit der Tür ins Haus! Ihre erste Amtsperiode läuft am Samstag aus, und es stellt sich die Frage, ob Sie sich erneut zur Wahl stellen?

Klaus-Rüdiger Biemer: In der Tat habe ich mir diese Frage selbst gestellt! Dabei bin ich vor zwei Jahren mit dem Ziel angetreten, zumindest vier Jahre an der Spitze des Verbandes zu stehen und für Änderungen zu sorgen. Ich habe mich nun entschieden diesen Plan beizubehalten und mich erneut zur Wahl zu stellen, genau wie das Gros des derzeitigen Präsidiums.

Warum gab es Zweifel?

Biemer: Die erste Amtsperiode war wirklich kein Zuckerschlecken. Es gab, so glaube ich, noch keine WBV-Führung, die sich so zeitintensiv mit Rechtsfragen (Anmerkung der Redaktion: z. B. der Fall Basketballkreis Südwestfalen), Satzungsprobleme und anderen Angelegenheiten wie der Ausländerregelung/Deutschenförderung beschäftigen musste. Da ist viel Zeit drauf gegangen, die für andere Vorhaben fehlte. Und natürlich hat das zwischenzeitlich immer mal wieder frustriert und zwar nicht nur mich, sondern auch meine Präsidiumskollegen.

Doch nun stehen Sie für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung?

Biemer: Ja, ich stünde bereit, sofern mich die Mitglieder auch wollen. Wie gesagt, es ist einiges liegen geblieben. Das war sicherlich auch der ersten Amtsperiode geschuldet. Man muss sich in alle Angelegenheiten erst einmal einarbeiten, die Leute kennenlernen, das neue Präsidium musste sich zusammenfinden und ich musste lernen geduldiger zu sein. Jetzt sollte man zumindest den Willen haben, den Weg weiter zu verfolgen, sonst hätten wir gar nicht erst anfangen brauchen. Wir sind nicht so weit, wie wir und ich sein wollten, aber wir haben auch gute Arbeitsergebnisse vorzuweisen. Die Kassenlage des Verbandes wurde durch Einsparungen weiter konsolidiert bzw. durch neue Ausrüsterverträge und Zuschüsse sogar verbessert. Die Sichtung von Talenten wurde durch die Regionalstützpunkte stark verbessert. Die Trainerausbildung wurde weiterentwickelt, die Öffentlichkeitsarbeit verändert. Wir haben unsere Geschäftsstelle saniert und modernisiert, um nur ein paar Punkte zu nennen. Aber uns allen ist bewusst, dass es noch viel zu verbessern gilt.

In welchem Bereich gibt es den größten Handlungsbedarf?

Biemer: Ich sehe fast überall Handlungsbedarf. Klar, wir können dabei auch Fehler machen, aber der größte Fehler wäre, nichts zu tun. Wir brauchen eine rechts- und zukunftssichere Satzung und darauf abgestimmte Ordnungen. Wir müssen uns mit der demographischen Entwicklung auseinandersetzen, vielleicht neue Spielformen und attraktive Wettbewerbe kreieren und forcieren. Wir brauchen mehr Schiedsrichter und mehr Trainer. Wir brauchen mehr Qualität in der Ausbildung im Nachwuchsbereich an der Basis. Die Talentförderung muss weiter verbessert und intensiviert werden. Bei den ersten Sichtungen wie BJL Heidelberg und in den jüngeren Jahrgängen bis TmP Wetzlar steht der WBV auf Bundesebene hervorragend da, doch wir müssen auch die Talente der älteren Jahrgänge weiter begleiten, damit sie nicht alle aus den DBB-Kadern verschwinden, was im WBV bisher fehlt. Da stoßen wir derzeit sicherlich personell an unsere Grenzen, doch ein so großer Verband muss in der Lage sein, da zu reagieren. Wir müssen im Regionalstützpunktsystem nachlegen und brauchen auch möglichst bald wieder eine zweite Landestrainer-Stelle. Wir müssen den Fuß in die Türen der Schulen bekommen, dürfen die Entwicklung bei den Ganztagsschulen nicht verschlafen. Innerhalb des DBB muss der WBV mittelfristig wieder mehr in die Rolle des Vorreiters schlüpfen – das wird von uns als größtem Landesverband erwartet. Da darf man auch mal unbequem sein, wie z. B. beim jüngsten Bundestag in Hamburg.

Mit den dort erzielten Ergebnissen war das Präsidium aber nicht ganz zufrieden!

Biemer: Stimmt, besonders, was das Thema Ausländerregelung betrifft. Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass unsere Regionalligisten im WBV - aber auch anderswo - restlos "begeistert" waren und sind. Der Bundestag beschloss mehrheitlich gegen alle Stimmen des WBV, von Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und den Bundesligen eine neue Ausländerregelung für alle Regionalligen, wie sie auf den Internetseiten des DBB und WBV abgedruckt ist. Wir, der WBV und die anderen oben Genannten, haben dagegen votiert, wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen, wollten Anderes, und sind am Abstimmverhalten aller anderen Landesverbände gescheitert. Wir halten das, was jetzt gilt, nicht für zielführend, müssen uns nun aber erst einmal fügen und setzen es auch im WBV um, bis bessere Lösungen erreicht werden können. So ist das in der Demokratie. Dennoch bleiben wir bei unserer Meinung: Die Reduzierung auf einen "A"-Ausländer war und ist unnötig. Die Entscheidung kommt zur Unzeit und ist aus WBV-Sicht falsch.
Ich sehe auch nicht, dass wir von "E"- und "F"-Ausländern überschwemmt werden, die unbedingt in deutschen Regionalligen spielen wollen, aber es war richtig, hierzu eine Regelung zu treffen. Die Förderung von jungen deutschen oder den Deutschen gleichgestellten Talenten, die schon lange bei uns leben, wollen wir unbedingt verstärkt wissen, um deutsche Bundesligen und Nationalmannschaften besser als bisher zu füttern, ohne uns in rechtliche Unsicherheiten
und in Grauzonen zu verlieren. Die Teile unseres WBV-Antrages, die sich auf die Förderung der Einsatzzeiten von Jugendlichen bezogen, gingen wenigstens als Arbeitsauftrag an die zuständigen Gremien im DBB und sollen unter Mitwirkung der Bundestrainer/Bundestrainerin bis 2012 einer guten Lösung zugeführt werden. Muss man, bei Regelung von Rechten für "E"- und "F"-Ausländer und Sicherstellung der Jugendförderung auf dem Spielfeld (!), die "A"-Frage überhaupt
reglementieren?

Das Thema ist aus WBV-Sicht mit dem Bundestagsbeschluss von Hamburg also nicht vom Tisch?

Biemer: Ganz sicherlich nicht! Und wir werden da ohne Frage in naher Zukunft mit konstruktiven Vorschlägen kommen!

Was erwarten Sie denn nun am Samstag auf dem Verbandstag?

Biemer: Na ja, ich hoffe natürlich auf einen harmonischen Verlauf des Verbandstages, sachliche Gespräche und gute Wahlen für Präsidium, Rechtsausschuss und Jugend. Der Jugendtag bekommt auf jeden Fall einen neuen „Hausherrn“, da Christoph Begiebing, dem ich an dieser Stelle für sein Engagement ausdrücklich danken möchte, nicht mehr kandidiert. Das restliche Präsidium hat sich bis auf Walter Schrauzer, der das Schiedsrichterwesen aus beruflichen Gründen in andere Hände legen möchte, dazu entschlossen, die eingeschlagenen Wege weiter zu verfolgen. Ob es dazu die Gelegenheit bekommt, müssen die Mitglieder entscheiden. Wichtig ist mir nur, dass alles fair und auch respektvoll über die Bühne geht und der Verband zur alten Kontinuität und das vielleicht auch im personellen Bereich zurück findet. Der WBV war innerhalb des DBB immer ein feste Größe und eine verlässliche Konstante. Das ist in den vergangenen sechs Jahren etwas verloren gegangen und dahin müssen wir alle zusammen wieder zurückfinden. Der Verbandstag kann da mit einer kontinuierlichen Politik und Geschlossenheit für die anderen Landesverbände ein Zeichen setzen.

Das Gespräch führte Marc Grospitz
 

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