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Seit 5 Jahren lädt die WJBL (japanische Profiliga der Frauen) zu den Playoffs Schiedsrichterinnen aus Europa zu sich auf die Insel ein.
Mich hat es dieses Jahr glücklicherweise „erwischt“, eine Einladung von Fiba world (passiert leider nicht so häufig in deutschen Landen) flatterte ins Haus. Schwierig zu planen für eine Mutter von zwei schulpflichtigen Jungs, denn der Aufenthalt sollte irgendwo zwischen 7 und 12 Tagen liegen, da die Serie „best of five“ gespielt wird.
Also wurden die Taschen für den „Notfall“ gepackt und los gings, leider mit Lufthansa an besagtem Streiktag, in Richtung der aufgehenden Sonne. Sehr stressige Anreise, bei der vorher meine Nerven blank lagen, denn nachdem bekannt wurde, dass Lufthansa streikt und der „Sonderflugplan“ im Netz war, waren die Leitungen dauerbelegt. Keine Chance irgendjemanden an die Muschel zu bekommen. Also wurde ein Zugticket gebucht, sich in überfüllte Züge in Richtung München gequetscht (bei der nächsten Planung achte ich darauf, nur in Frankfurt zwischenzulanden ;))und die schöne 6stündige Zugfahrt vor einem 11stündigen Flug genossen (sehr zweifelhaft). Aber, ich habs überlebt und, in Tokyo angekommen, wurde ich von der ersten Minute an nach Strich und Faden verwöhnt.
Man hat nicht zugelassen, dass ich meine Koffer selbst trage, nicht eine Tür durfte ich selbstständig öffnen, ich wurde mit Getränken und Snacks versorgt, als wenn ich gerade aus der Wüste komme. Unglaublich und mit Worten nicht zu beschreiben. Unterkunft war in einem der besten Hotels am Platz über den Dächern von Tokyo, mit eingenem kleinen Whirlpool in der Badewanne und Mr. Toilette (Spielerei beim Toilettenbesuch, Pospülung und Fön per Knopfdruck, automatisches Deckelanheben, sobald man den Raum betritt,....) Willkommen in einer anderen Welt!!!
Nach einer angenehmen Nacht, in der ich direkt durchschlafen konnte, gings am nächsten Tag per Zug nach Mazumoto, in die Berge von Japan, Nähe Nagano. Die deutsche Bahn kann sich von der Pünktlichkeit japanischer Züge eine dicke Scheibe abschneiden, absolut jeder Zug kam auf die Sekunde pünktlich, alle Sitzgelegenheiten in Fahrtrichtung, wollte man miteinander Entscheidungen diskutieren (schwierig, wenn ein Schiedsrichterkollege außer „I’m veteran“ keine Silbe englisch spricht), drehte man einfach die Sitzgruppe um...
In Mazumoto angekommen wurde mir zum ersten Mal die japanische Küche serviert. Damit ich mich durch den Dschungel japanischer Gepflogenheiten kämpfen konnte, hatte man mir eine englisch sprechende Fibakollegin zur Seite gestellt, die sich nur um mich gekümmert hat. Also, wir in ein japanisches Restaurant, erst mal Schuhe aus und Platz nehmen. Dann wurde, ähnlich wie in Spanien üblich, alles aufgetischt, was die Speisekarte so hergab. In erster Linie roher Fisch in allen Varianten, dann aber auch fremdartiges Gemüse, Carpaccio vom Pferd und ähnliche Leckereien, alles pflichtbewusst mit Stäbchen „gelöffelt“.
Doch natürlich gings am nächsten Tag auch in die Halle. Beeindruckend, 4000 Zuschauer für ein Damenendspiel, undenkbar in good old Germany. Super Stimmung, fair play stand über allem, als Schiedsrichter sehr angenehme Atmospähre, kein Druck, wie wir es in unseren Ligen gewohnt sind, hohe Akzeptanz (lag selbstredend auch an unserer überzeugenden Vorstellung).
Man hatte mich als crew chief auserkoren und an meine Seite eine japanische Fiba-Schiedsrichterin (sie war schon auf diversen internationalen Veranstaltungen, wovon wir Westeuropäer nur träumen, Olympiade, Weltmeisterschaft,... unsere Konkurrenz ist einfach größer)und einen 55jährigen Veteranen, der seine Abschiedsvorstellung gab, gestellt. Wir haben sehr viel gelächelt, aber ein Pregame, wenn einer gar kein englisch spricht und mindestens 30 interessierte Ohren deinem englisch lauschen, ist schon sonderbar. Egal, trotz allem (3-Manntechnik wird in Japan bei den Frauen nur in den Playoffs praktiziert, man kann sich unsere Probleme vorstellen) lief es sehr rund. 1 Punktspiel und am Ende durch 5 Rebound hintereinander und vergebene Freiwürfe entschieden, gut gelaufen für die Schiedsrichter!
Am nächsten Tag gings nach Takasaki (auch noch nie gehört), eine größere Stadt, mit dem Schnellzug in 1 Stunde zu erreichen. Ganz anderes Spiel, Jomo war ganz einfach durch 2 überragende guards, die in der Lage waren, auch die Center ins Spiel zu bringen, überlegen. Toyota hatte nicht den Hauch einer Chance, trotzdem war es kein langweiliges Geklicker, sondern Kampf bis zur letzten Sekunde. Japaner spielen mit Herz, sehr aggressiv und schnell, sehr ballgewandt und unglaubliche 3er!!! Basketballerisch eine andere Welt!!!
Direkt nach dem Spiel gings wieder in meine alte Heimat Tokyo. Man wollte mir gutes tun und führte mich abends zu einem italienischen Büffette. Sehr interessant, Lasagne kombiniert mit Sushi und Currysuppe, die mit Reis bereichert wird...aber lecker!
Das letzte Spiel, dieses Mal in Tokyo, wieder vor ausverkaufter Halle (4500) und live tv, aber leider, trotz redlicher Bemühungen, war ließ Jomo erneut Toyota keine Chance und schaukelte den Sieg sicher mit mehr als 20 Punkten Unterschied nach Hause.
Danach Feuerwerk in der Halle, Konfettiwolken und leider, leider konnten wir von der Siegerehrung und den Awards nichts sehen.
Es folgte der letzte Abschlußabend der Veranstaltung (kein langweiliges offizielles Bankett, wie wir es in Europa gewohnt sind), ein Restaurant über den Dächern von Tokyo, ganz hoch hinaus. Überraschend eingeladen waren 15 junge weibliche Schiedsrichterinnen, die mich nach allen Regeln der Kunst über absolut alles ausgequetscht haben auf japanglisch... Sehr lustig, ich weiß nicht, ob sie etwas von meinen Ausführungen verstanden haben, aber sie haben mir ihr nettestes Lächeln geschenkt!!! Dann war Weihnachten, ich bin mit Geschenken überhäuft worden, von Parfüm über Stäbchen mit dem Namen meiner Lieben und Basketballshirt, total nett!!!
Am allerletzten Abend bin ich noch vom Chef der japanischen Schiedsrichter in eine Sushi Bar eingeladen worden. Tolles Erlebnis, denn Sushi essen ist auch in Japan etwas ganz exquisites. Winziges Restaurant, lediglich Stühle um die Theke, hinter der der Sushimeister tätig war, vielleicht 15 Sitzplätze. Der Fisch zerging auf der Zunge, dazu grüner Tee, Sake und bedient durch eine ältere Dame im Kimono. Genauso habe ich mir Japan vorgestellt!!!
Fazit meiner Reise nach Japan:
- grandioser Sport, den ich aus nächster Nähe beobachten und leiten konnte
- tolle Menschen, super aufmerksam und gastfreundlich
- die Japaner wissen nicht nur, wie man das Wort Respekt schreibt
- wenn man Fisch liebt, ist Japan immer eine Reise wert J
Pit Kremer
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